Mit Bahn und Flugzeug nach Moskau

 31.07.1993


Im Laufe eines Lebens hat wohl jeder mal einen Traum den er sich erfüllen möchte. Meine Liebe zur Eisenbahn zeigte sich schon in meiner Jugend, als ich den Eisenbahner auch als  Beruf machen wollte. Der Traum ging jäh zuende und fortan war die Eisenbahn nur noch Fortbewegungsmittel.

Aber ein Teil konnte ich mir dann doch erfüllen. Und so stand ich am letzten Julitag morgens um 1/2 8 Uhr in Landshut auf dem Bahnsteig und wartete auf den Zug der mich über Regensburg nach Frankfurt bringensollte. Gut vorbereitet durch Russisch-Kurse und Literatur konnte eigentlich nichts schief gehen..

Im Zug schon die erste Überraschung. Meine Sitznachbarn wollen auch nach Moskau. Aber von dort über Ismalabad, Tibet, Mongolei nach Peking. Dauer 4 Wochen.

Die nächste Überraschung: Der Abflug verzögert sich durch den technischen Defekt der angekündigten Iljuschin 86. Die Passagiere wurden auf zwei kleinere Maschinenaufgeteilt und so startete ich erst zwei Stunden später mit dem Flug 256B.

Dadurch hatte ich noch etwas Zeit, auf der Zuschauertribüne den Flugbetrieb zu beobachten. Aber nicht lange. Lärm und Gestank machten den Aufenthalt unmöglich.

Nach 2 1/2 Stunden reiner Flugzeit mit einer Bilderbuchlandung in Moskau- Scheremedewo gelandet. Schnell und ohne Schwierigkeiten durch Zoll- und Gepäckkontrolle. Meine Reisegruppe sofort gefunden. Die hatte schon auf mich gewartet, war ich doch der letzte der Reisegruppe. Die anderen Teilnehmer hatten alle die erste Maschine erwischt.

Mit einem Kleinbus, der in Deutschland sofort aus dem Verkehr gezogen würde, ging es zum Sputnik, einem Speiserestaurant. Schließlich hatten wir Vollverpflegung gebucht. Dort konnte ich dann unseren Reiseleiter Andreij  und meine Begleiter kennen lernen.

Da bis zur Abfahrt unseres Zuges noch etwas Zeit war, ging es mit unserer Schrottkiste noch zum Leninhügel und zum Roten Platz. Standardpunkte jeder Stadtrundfahrt. Die Fahrt um Mitternacht zum Jaroslawer Bahnhof mussten wir dann mit dem Taxi absolvieren, unserem Kleinbus ging die Puste aus.

Beim Gepäckausladen blieb eine schwarze Aktentasche übrig. Keiner vermisste etwas. Der Blick in die Tasche brachte jede Menge 100 Dollarnoten zum Vorschein. Warum bin ich bloß immer so ehrlich? Was der Taxifahrer wohl mit dem Geld gemacht hat?

Unser Zug wartete schon auf uns. Wagen und Abteil wurden schnell gefunden. Da angeblich noch viel Zeit war, ging ich noch etwas auf dem Bahnsteig spazieren. Als sich plötzlich der Zug in Bewegung setzte, war ich ziemlich überrascht. Trotz abwehrender Gesten zweier Zugbegleiterinnen (Wascha Billett- Ihre Fahrkarte?) konnte ich noch auf den fahrenden Zug aufspringen. Das wäre was gewesen: Ohne Papiere und Geld und kaum Russisch auf dem Bahnsteig. Nach einigen Minuten hatte ich dann unser Abteil erreicht, wo keiner meine Abwesenheit bemerkt hatte.

Dauerte einige zeit, bis wir unsere Sachen verstaut hatten und die Betten gerichtet. Wegen Überschwemmung in der Toilette und kein Wasser im Waschraum gab es weitere Problemchen, aber irgendwann gab es doch Ruhe.