Transsibirische Eisenbahn

 02. - 05.08.1993

 Hier ein Reisebericht, den ich für mein Fotoalbum einem Zeitungsbericht entnommen habe.

Windschiefe Häuser und Hütten
Die Dörfer entlang der Eisenbahnstrecke und ihr äußeres Erscheinungsbild sind mit Ausdruck russischer Lebensmentalität und zugleich Ausdruck des harten und kargen Lebens in Sibirien. Dass ihre Häuser, meist mit Wellblech eingedeckte Holzhäuser, windschief in der Landschaft stehen, das eine vom Ost-, das andere vom Nordwind in Schräglage gebracht - Baufälligkeit mit einberechnet - und der noch etwas schräger stehende Anbau ein gewisse Stützfunktion wahrzunehmen scheint, dies fällt unseren ans Lot gewöhnten Augen auf, doch das ist wohl die Art, hier zu leben.

Vieles ist in Sibirien anders.
So sind wir gewohnt, dass zum Beispiel Strom- und Telefonleitungen gradlinig verlaufen und jeder Mast aufrecht wie ein Gardesoldat steht. In Sibirien nimmt der Mast eine Stellung ein, die ihm der Wind irgendwann mal beigebracht hat, der nächste hatte es scheinbar mit einem stärkeren Sturm zu tun gehabt, und der dritte beschränkt sich auf eine vornehme leichte Schräglage. Die Frage, ob die Masten von der Stromleitung gehalten werden oder umgekehrt, konnte vom Zug aus nicht beantwortet werden.

Obwohl die Bevölkerung von halb Sibirien bei der Eisenbahn beschäftigt zu sein scheint, würden einem deutschen Gleisbauer die Haare zu Berge stehen ob des Zustandes der Gleise und ihres Unterbaues. Schon bald hatten wir heraus, dass in Russland nur an ganz wenigen Stellen die Schienen noch nicht verschweißt sind. Alle zehn oder fünfzehn Meter machte ein Stoß zwischen den Gleisstücken lautstark auf sich aufmerksam. 

Birken an der Bahnlinie
Zwischen Omsk und Novosibirsk nur Wiesen, kleine Wälder, Seen und ab und zu ein paar Häuser. Farbtupfer sind die schlanken weißen Birken/Beriozka die sehr malerisch einzeln oder in geselligen Gruppen in der Gegend herumstehen.
Die abgestorbenen Birken sind nicht umweltgeschädigt sondern haben einfach nur zuviel Wasser bekommen, da durch den Perma - Frostboden nicht alles Wasser abfließen kann.

Im "PECTOPAN" (Restaurant) des Zuges erwartete uns so manche Überraschung. Fangen wir bei den Getränken an: Am 2. Tag war das Mineralwasser ausgegangen, nicht aber das "Wässerchen", das offensichtlich nirgends und nie ausgeht. Dieses "Wässerchen" gab es entweder in Flaschen oder in für uns Deutsche ungewohnt großen Mengen im Glas. "Sto gramm wodka" nennt sich das Ganze. "Hundert Gramm Wodka", nicht mehr und nicht weniger. Was das Bier anbelangte, so konnte man den Verdacht bekommen, einer internationalen Bierprobe unterzogen zu werden. Aber auch das Bier ging am 3. Tag aus. Und russisches Bier gab es überhaupt nicht.